Con tanta servitù con tanto tedio

E con falsi concetti e gran periglio

Dell’ alma, a sculpir qui cose divine.

 

Michelangelo Buonarroti, Rime

 

Diese Terzine beschreibt exemplarisch den Weg eines Künstlers: seine mühsame Arbeit, Ideen und Konzepte, die auf Irrwege führen und die damit verbundene Gefahr, sich zu verlieren und das Bewusstsein, etwas Transzendentales zu schaffen.

In der Malerei wie in jeder anderen Kunstform gibt es keinen Fortschritt.

Ich habe immer das Malen als eine Art Entdeckungsreise gesehen, als eine Irrfahrt durch eine imaginäre Landschaft, die aus Inseln besteht: einige dieser Inseln sind bekannt, viele andere sind noch zu entdecken.

Wie alle Reisen ist auch diese voller Gefahren und Fallen, aber auch voller Entdeckungen und Wunder. Das Ziel immer ungewiss und eigentlich nur durch Zufall zu erreichen. Langsamkeit und Geduld, schlagartiges Voranschreiten und notwendiges Überdenken, plötzliche Erkenntnisse machen die Zeit dieser Reise aus.

Wenn man ein Bild betrachtet, erkennt man im besten Fall den Ausgangspunkt, den Beginn der Reise. Schwerer ist es, sich der Entdeckung einer neuen Insel bewusst zu werden,  noch schwerer ist es deren unbekannte Schönheit zu genießen.

Die Figuren und die Formen der Tradition, die sich in meinen Bildern und in meinen Zeichnungen wiederfinden, bilden den Ausgangspunkt. Ich weiß nicht, ob ich unentdeckte Länder erreicht habe, ich weiß nicht, ob ich je welche erreichen werde und ob der Zufall mir beistehen wird.

Ich hoffe nur, dass es mir mindestens gelungen ist, den Sinn meiner Reise und die Sehnsucht nach einem auch nur erahnten Ziel sichtbar zu machen. Und ich wünsche mir, dass der Betrachter die Schönheit entdeckt, die dieser Irrfahrt und dieser Sehnsucht innewohnt.

Verlangt wird dafür eine hohe Bereitschaft zur Aufmerksamkeit, zum buchstäblichen Blickkontakt mit den Werken.

Lorenzo Gori